Besuch im MCC im November 2020
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In diesen Zeiten nach Kenia reisen? Letztendlich war es mit den erforderlichen Vorsichts- und Testmaßnahmen dann kein Problem. Insofern konnten wir endlich unser Maisha Mazuri Children Center wieder persönlich besuchen, mit unserem Partner Jimmy Kilonzi und dem Team zusammen sitzen, Erfolge und Herausforderungen diskutieren, die neuen Kinder kennenlernen, mit „unseren“ langjährigen Kindern lachen und uns austauschen und mit eigenen Augen vor Ort sehen, was sich so alles tut. Natürlich stehen wir in Kontakt über mail, skype, WhatsApp – aber das ersetzt nicht den persönlichen Kontakt vor Ort, so Vieles lässt sich ganz anders besprechen und klären, wenn man zusammensitzt, gerade hinsichtlich der interkulturellen Unterschiede. Wir – das sind Helen Milkau, die Organisatorin des Partnerprogramms mit den 102 Kindern, Thomas Mildenberger, unser ehrenamlich arbeitender Architekt und Barbara Krohne als Mitglied des Vorstands.

Unseren Kindern im Maisha Mazuri Children Home geht es prima, sie sind sehr gut durch die letzten Monate gekommen und es tut gut, sie so zu sehen.  Sie haben immer ausreichend zu essen, sind draußen auf dem Land mit der eigenen Landwirtschaft und den Tieren beschäftigt und werden von den Betreuern mit home schooling und  so manchen kreativen Projekten auf Trab gehalten. Sie genießen die  Gemeinschaft und fühlen sich familiär geborgen.

Die große MCC Familie ist in den vergangenen Monaten auf 41 Kinder gewachsen. Da ist zum Beispiel der kleine Sharif, er ist gerade mal 5 Jahre alt, hat beide Elternteile verloren und lebte mit seinem Cousin Swarf (6) und seiner Cousine Abigail (4) zusammen. Aber auch deren Mutter ist nun verstorben und dem alleinerziehenden Vater hat die Corona Krise noch die letzte Hoffnung und Kraft genommen, irgendwie seine drei Kleinen versorgen zu können.  In den ersten Wochen meinten die drei im MCC weiterhin um ihr Essen kämpfen zu müssen, aber das ist hier zum Glück nicht nötig; es ist genug für alle Kinder da… und sogar ein neuer großer Bruder, der einen auch mal ins Bett trägt, wenn man selbst zu müde ist.

Neben den Heimkindern haben unsere Sozialarbeiter*innen stets ein wachsames Auge auf die große Zahl der MMP Partnerkinder. Unsere Partnerschaftsbetreuerin Helen Milkau (im Bild unten, links) hat in den vergangenen vier Jahren ein Programm aufgebaut, in dem 102 Kinder gefördert werden von derzeit 91 Partnern in Deutschland. Rund 70 Kinder davon leben in der „community“, in der Umgebung bei ihren Familien, meist bei der Großmutter oder alleinerziehenden Elternteil.  Gerade diese Zeit ist extrem schwierig für die Familien, denn in Kenia sind bis auf 3 Jahrgangsstufen noch immer (seit März!) alle Kindergärten und Schulen geschlossen. Die Kinder, die sonst im Internat leben, sind nun alle zuhause, in meist unvorstellbar beengten Wohnverhältnissen, das Geld für regelmäßiges Essen fehlt oft und häusliche Gewalt ist nicht selten eine Folge dieser prekären und deprimierenden Situation.

Ein Mädchen aus dem MMP Programm ist die 15jährige Mercy: sie strahlt und erzählt, wie sehr sie sich wieder auf die Schule freut. Natürlich hilft sie jetzt zuhause und wenn man genauer nachfragt, erfährt man, dass sie für Einkaufen und Essen kochen zuständig ist, mit den kleinen Geschwistern zuhause sauber macht, Wäsche wäscht und ihnen beim home schooling hilft. Sie leben bei ihrer gebrechlichen Großmutter, ihre Mutter versucht in Nairobi den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, oft reicht es einfach nicht.  Mercy bekommt Hilfe vom Partnerprogramm und sie bekommt Unterstützung bei ihren beiden großen Vorhaben: gemeinsam mit Freundinnen zieht sie Hühner zum Verkauf groß und … sie stellen Flüssigseife her, derzeit ein stark nachgefragtes Produkt!

Aber ihr sehnlicher Wunsch ist, endlich wieder zur Schule gehen und dann in unser neues Internatsgebäude einziehen zu dürfen. Ein „boarder“ zu sein, ist für die Jugendlichen in Kenia so wichtig, nicht nur angesichts der Freunde und Freundinnen, sondern auch um wirklich zur Schule gehen zu können, denn die anderen Aufgaben halten sie meist fern vom Schulbesuch, ganz zu schweigen vom Lernen.

 

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