2026 – 06: Theresa und Anna
Family, we are one
Anfang Mai ging es für uns, Theresa und Anna, nach Kenia. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit unseren Flügen und unseren ersten Bekanntschaften mit der kenianischen Korruption standen wir schließlich in Nairobi am Flughafen. Hunderete Taxifahrer, die uns gerne mitnehmen wollten, nur unserer war nicht dabei. Moses sprang als Retter ein und fuhr uns mit seinem roten Flitzer (aka Klapperkiste) zum MCC. Er konnte gar nicht verstehen, wie überrascht wir über die vielen Kühe am Straßenrand waren und inzwischen sind wir das auch nicht mehr. Außerdem waren wir sehr verwundert, wie grün die Natur war und wie viele Blumen blühten. Nach immer schlechter werdenden Straßen empfang uns Patron Patrick mit einem herzlichen „Karibu“ schließlich im MCC. So lernten wir gleich zu Beginn die Herzlichkeit der Kenianer kennen und fühlten uns schnell als Teil der MCC-Familie

Im Laufe der Woche lernten wir nicht nur alle Mitglieder des Staff kennen, sondern auch (wie von Patrick prophezeit) alle Namen der Kinder. Da es aktuell keine feste Matron gibt, hilft Siborah als Step-In aus und ist gemeinsam mit Patrick eine tolle Ansprechperson für uns. Neben uns deutschen Volunteers hilft Helen als kenianische Volunteer und Alumni des MCC in allen Bereichen mit. Sie unterstützt vor allem Joseph und Mercy bei Healthwork und administrativen Aufgaben. Mit Mercy haben wir unseren Stundenplan erstellt und konnten so gleich in der ersten Woche Einblicke in die verschiedenen Departments gewinnen. Besonders die Arbeit bei Philip in der Bäckerei macht uns viel Spaß. Diese besteht aus kiloweisem Teig kneten, hunderte Buns formen und alles mit literweise Öl bepinseln. Außerdem konnten wir den Koch Julius beim Gemüseschneiden unterstützen, Emma beim Kehren im Hühnerstall, Boniface beim Unkrautjäten auf der Shamba, Matron und Patron beim Putzen der Hostels und Mercy bei Home-Visits begleiten, welche sehr eindrucksvoll waren.

„Die Deutschen haben eine Uhr, die Kenianer haben Zeit.“
So konnten wir bald feststellen, dass sich Pläne schnell mal ändern können und Uhrzeiten eher als Richtwerte betrachtet werden. Mittlerweile sind wir schon an die ständigen Stromausfälle gewöhnt; wir konnten aber auch feststellen, dass Strom hier gar nicht so wichtig ist. Die Straße war durch die starken Regenfälle des letzten Monats kaputt gegangen, deshalb mussten die Kinder in unseren ersten drei Wochen einen sehr langen Umweg zur Schule nehmen. Inzwischen ist sie repariert, sodass die Kinder früher heimkommen und wir auch an Wochentagen mehr Zeit mit den Kindern verbringen können. Einmal die Woche begleiten wir die Kinder in die Primary und Junior School und dürfen Einblicke in die verschiedenen Jahrgangsstufen bekommen. Die Learners kommen gleich beim Aussteigen aus dem Bus auf uns zu gerannt und würden uns am liebsten alle gerne in ihre Klasse mitnehmen. Auf dem Schulhof lernten wir die kenianische Doppeldeutigkeit des Wortes „smart“ kennen, da besonders unsere Haare sehr smart sind und sich bestens zum Flechten von zehn Kinderhänden gleichzeitig eignen.

Weil uns das Namenlernen der Kinder am Anfang schwer fiel, machten wir am ersten Sonntag Kennenlernspiele und teilten die Kinder dafür nach Alter in drei Gruppen ein, die wir nach wie vor für unsere verschiedenen Aktivitäten nutzen. Am Wochenende darauf veranstalteten wir eine Spieleolympiade mit vielen kleinen altersgerechten Mitmachspielen. Am Ende kürten wir die Siegerteams, welche als Preis deutsche Gummibärchen bekamen.

Der Satz „We are one familiy“ prägte uns gleich zu Beginn so, dass wir uns dazu entschieden, gemeinsam mit den Kindern ein Chorprojekt zu starten und den Song „We are one“ einzustudieren. Seitdem wird er jeden Samstag geprobt und schallt auch nach den Proben über das ganze MCC-Gelände. Auch andere Projekte fanden ihren Anfang. So haben wir mit den Jüngsten bereits Cookies gebacken und mit den Mittleren Zimtschnecken. Diese wurden an zwei Sonntagen zum Picknicken am Flussufer mitgenommen und gemeinsam mit Wassermelone und deutschen Gummibärchen verspeist. Es taten sich überraschend vereinzelte freie Tage auf, die wir unter anderem zum Basteln von Namensschildern, Musikhören und Outdoorspielen nutzten. Neben den Feiertagen war ein weiterer Grund Proteste im ganzen Land aufgrund der gestiegenen Spritpreise, weshalb die Kinder aus Sicherheitsgründen daheim blieben.

Es ist schön, nach dem Abendessen gemeinsam mit den Kindern in die Bücherei zu gehen, bei den Hausaufgaben zu unterstützen, und Flöte zu üben. Gleich in der ersten Woche bekam jedes Kind Stifte und einen Radiergummi, die jetzt fleißig bei den Hausaufgaben im Einsatz sind. Die gespendeten Klamotten wurden sehr fair unter den Kindern und durch die Kinder aufgeteilt. Besonders gut kam der mitgebrachte Fußball sowie die Ballpumpe (auch bei der Secondary) an. Wir haben uns der Bücherei angenommen, diese aufgeräumt und neu organisiert. Besonders Spaß machte es, uns vorlesen zu lassen und vorzulesen.
Die Kinder sind uns bereits sehr ans Herz gewachsen. Sie haben uns auch das kenianische Leben nähergebracht. Sie brachten uns bei, wie man mit der Hand Wäsche wascht, aus der Sisal-Agave Fasern zur Herstellung von Seilen und traditionellen Röcken gewinnt und Tanzschritte für die Kirche, die wir sonntags besuchen. Dort wird viel getanzt und gesungen, aber auch stundenlang auf Kamba gepredigt. Wir haben zwar schon einige Wörter auf Kiswahili und Kamba gelernt, diese helfen uns dort aber nicht wirklich weiter. Auch in der Community rund um das MCC fühlen wir uns inzwischen sehr wohl. Wir waren an unseren freien Tagen auch schon mehrfach in Tala auf dem Markt, die ersten Male begleitet durch Helen bzw. Siborah. Es war anfangs sehr überwältigend von allen Seiten angesprochen zu werden, doch inzwischen haben wir uns an „Mzungu“, das Boda-boda-Fahren und Matatu-Fahren gewöhnt und haben unsere Stammstände gefunden. Ansonsten genießen wir es sehr, aus einer großen Vielfalt von Obst auszusuchen und damit unser recht eintöniges, typisch kenianisches Essen zu bereichern, welches vor allem aus Ugali, Reis und Bohnen besteht.

Nun bricht der kenianische Winter an (die sog. kühle Trockenzeit) und es wird langsam kälter. Es ist beeindruckend, wie schnell die Zeit vergeht, die Hälfte unserer Zeit am MCC ist bereits vorbei. Wir freuen uns auf viele weitere tolle Projekte mit den Kindern und werden die verbleibende Zeit als Teil der Family sehr genießen, denn wir singen es nicht nur, sondern fühlen es auch: „Family, we are one!“




