Family, we are one
Anfang Juni begann unser zweiter Monat im MCC. Nach einer erlebnisreichen Woche auf Safari, auf der wir nicht nur die Tierwelt bewundern, sondern auch Kenias Land und Leute kennenlernen dürfen, freuten wir uns sehr die Kinder wiederzusehen und wurden sehr herzlich von ihnen im MCC empfangen. Die folgenden Wochen waren geprägt von vielen gemeinsamen Momenten: Wir spielten Kaufladen, tanzten gemeinsam, sprangen Nachmittage lang Seil und verbrachten unzählige Stunden mit Outdoor- und Kreisspielen. Unter strenger Aufsicht der Kinder wurden wir außerdem besser beim Chapati-Machen, sowie beim Murmelspiel und beim Wäschewaschen. Ein weiteres Highlight waren die regelmäßigen Spaziergänge Hand in Hand, die nicht nur die Kinder, sondern auch wir lieben.

Kulinarik
Um die kenianische Kulinarik etwas aufzulockern, brachten wir bayerisches Kulturgut ins MCC und backten Brezen, die zusammen mit Margarine begeistert verspeist wurden. Zudem organisierten wir eine Pasta Night, bei welcher 8kg Spaghetti und 10l Tomatensoße auf den Tellern landeten. Als Snack für zwischendurch gab es für die Kinder Honigbrote. Außerdem durften die Kinder verschiedene deutsche Gummibärchen und Süßigkeiten probieren und kennenlernen. Während die Kinder also Einblicke in die europäischen Essenswelten bekamen, durften wir weitere bei Philip in der Bäckerei erlangen. Nachdem wir bereits Profis im Backen von Buns und Mandazi sind, lernten wir nun, wie Bajia gemacht werden, und durften die in Koriander eingelegten und frittierten Kartoffelscheiben dann auch probieren.

World-Cup
Um ein bisschen WM-Feeling ins MCC zu bringen, bastelten wir mit den Kindern Flaggen, die das ganze Haus schmückten, und die Kinder auf unsere kommende Mini-WM einstimmten. Wir organisierten für die MCC-Kids und Kids aus der Community sowie für die Schüler der Secondary einen World Cup. Dabei vertraten die Kinder in Teams jeweils ein Land, das auf den selbstgebastelten Armbinden der Kapitäne zu sehen war. An einem Samstag war es schließlich so weit: Südafrika, Argentinien, Frankreich und Deutschland traten gegeneinander an. Geleitet wurden die Spiele von unserem fairen und professionellen Schiedsrichter Boniface. Nach aufregenden Spielen, fliegenden Schlappen und jubelnden Fans konnten wir am Ende Deutschland nach einem nervenaufreibenden Finale gegen Frankreich zum Sieger küren. Nach einer Siegerehrung mit Medaillen gab es für alle Muffins und Wassermelonen.
Im Zuge der WM kauften wir sowohl für das MCC als auch für die Secondary neue Fußbälle, Volleybälle, Pfeifen und Ballpumpen. Auch die echte WM wurde fleißig verfolgt und die Kinder konnten es kaum erwarten, die Spielergebnisse jeden Abend in unsere Tabelle einzutragen. Darüber hinaus konnten wir das erste Spiel Deutschlands gegen Curaçao gemeinsam mit den Kindern anschauen, wobei Deutschland sehr viel Unterstützung von den Kindern bekam.

Secondary
Auch für die Secondary organisierten wir einen World Cup, bei dem drei Jungs- und zwei Mädls-Teams gegeneinander antraten: Portugal, Argentinien, Deutschland, Südafrika und Frankreich. Der World Cup zog sich über den ganzen Tag und endete mit einem aufregenden Finale der Klassen Form 3 und Form 4, bei dem erneut Deutschland als Sieger hervorging. Bei den Mädls gewann nach einem Elfmeterschießen mit beeindruckenden Skills Frankreich mit der Grade 10.
Wie bereits vorangegangene Volunteers haben auch wir eine Movie Night mit Popcorn und Candy organisiert. Bei fortlaufenden technischen Schwierigkeiten schauten wir zur Feier der geschafften Exams vor der Mid Term Break gemeinsam den Film „The Upside“ an.

Schulen
In der Primary School wurden wir bei jedem Schulbesuch beim Aussteigen aus dem Schulbus von den Learners herzlichst empfangen. Wir konnten weiterhin viele Einblicke in das Schulleben gewinnen, indem wir verschiedene Klassen besuchten. Von Klassenstufe PP1 bis Grade 3 überreichten wir jeweils einen Klassensatz gespendete Buntstifte. Besonders viel Freude bereitete uns die Gestaltung einer Creative-Arts-Stunde zum Thema Western Singing Games in der zweiten Klasse. Nach mehreren Runden „Aramsamsam“ brachten wir den Kindern das deutsche Klatschspiel „Schoko-la-de“ bei und beschlossen die Stunde mit einem nicht enden wollenden Stopptanz.
Außerdem durften wir Einblicke ins Skillscenter bekommen und sehen wie die Schüler Berufe wie Friseur/in, Elektriker/in oder Klempner/in erlernen als auch wie sie vor Ort wohnen und leben.

Projekte
Während der Mid-Term-Break konnten wir die gewonnene Zeit mit den Kindern genießen und zudem einige kleine Projekte umsetzen. So haben wir die Tradition fortgeführt und mit den neuen Kindern Mango- und Avocadobäume gepflanzt. Einige der ersten Bäume wurden von den Ziegen angeknabbert, konnten aber dann durch neue ersetzt werden. Auch die Bücherei hat ein Make-Over bekommen. Seit Beginn unserer Zeit hier versuchten wir die Bücher neu zu organisieren und ins System einzutragen. Gemeinsam mit den Kindern haben wir die Bücherei dann geputzt, neu arrangiert und schöne Wandplakate gestaltet. Gerade in der Bücherei verbrachten wir aneinander gekuschelt mit den Kindern immer eine sehr schöne Zeit. Da man dort leicht die Zeit vergisst, ziert neben den schön gestalteten Kunstwerken der Kinder nun auch eine Uhr die Wand. Zudem freuten sich die Kinder über die von ihnen gewünschten Uhren in den Mädls und Jungs-Hostels.
Ein Großprojekt war der Besuch des Supermarktes in Nguluni. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen marschierten wir jeweils mit der Hälfte der Gruppe, begleitet von Matron bzw. Patron, über eine Stunde nach Nguluni (und zurück!). Jedes Kind erhielt 100 KES (= 0,68€) und konnte damit selbstständig einkaufen. Wir waren überrascht, wie viel die Kinder für den kleinen Betrag erstehen konnten, z.B. Kekse, Lollis, Säfte und Joghurt. Begeistert liefen die Kinder bestückt mit Körben durch den Supermarkt und erkundigten sich regelmäßig gespannt, wie viel sie sich noch leisten konnten. Daraufhin wurde im MCC fleißig Kaufladen gespielt, der Umgang mit Geld gelernt und sogar um Plastik-Bananen gehandelt.
Zusammen mit der kenianischen Volunteer Hellen führten wir einen Workshop zum Thema Waste Management durch. Dabei sollten die Kinder die verschiedenen Müllarten nennen und Müll passend sortieren. Außerdem wurden gemeinsam mit den Kindern Regeln zum Umgang mit Müll und Hygiene erarbeitet.

Chor
Ein Projekt, das uns von Anfang an begleitete, war der MCC-Choir. Nachdem wir Samstage lang in drei Kleingruppen geprobt hatten, konnten wir schließlich die Parts zusammenführen, die passenden Bewegungen einstudieren und die Choraufstellung proben. Die Kinder bastelten fleißig Konzerteinladungen für das bevorstehende Konzert für die Staffmember. Dann war es endlich so weit: die Mitglieder des Staff versammelten sich in der Dining Hall, die Kinder standen nach unserem routinierten Einsingen draußen für den Auftritt bereit, die Spannung stieg: nach wochenlangen Proben konnten wir nun endlich unseren Song „We are one“ präsentieren. Nach einem anfänglichen Gewitter aus Bodypercussion, baute sich der Song langsam auf und endete im gemeinsam vorgetragenen Refrain. Dabei strahlten nicht nur wir, sondern auch die Kinder vor Stolz. Nach der großartigen Premiere konnten wir unseren gemeinsam einstudierten Song auch in der Kirche präsentieren. Dies war ein gelungener Abschluss von einem Projekt, das uns die ganze Zeit über viel Freude bereitet hatte.

Die Zeit im MCC ist wahnsinnig schnell verflogen, wir haben die Kinder alle fest in unser Herz geschlossen und sind sehr dankbar für alles, was wir in den letzten neun Wochen erleben durften. Nicht nur die großen Projekte machten uns viel Spaß, sondern vor allem auch die vielen kleinen Momente mit den Kindern zwischendurch bereiteten uns unendlich viel Freude. Das Kinderlachen, die scharrenden Stühle am frühen Morgen, die Rufe nach uns und dem Volunteer Store, die meckernden Ziegen, der Duft von frisch gebackenen Buns, die Berge an Reis und Ugali auf den Kindertellern, die riesigen Wassermelonen, die geburtstäglichen Wasserschlachten, die tägliche Frage nach dem „solid tape“, die universellen Tische in der Außenküche – all das macht die MCC-Family aus und wir sind dankbar, Teil davon sein zu dürfen: Family, we are one.
Asante sana,
Anna & Theresa




