Praktikum in der Ökologischen Landwirtschaft des MCC

2 Unsere „Landwirtschaftspraktikantin“ Annika unterstütze von Oktober bis Dezember 2017 sowohl auf der Farm als auch bei der Ferienbetreuung der Kinder; aber lassen wir sie selbst berichten:

Ich studiere Agrarwissenschaften / Fachrichtung Ökologische Landwirtschaft an der Universität Kassel und wollte im Rahmen meines Praktikums im Maisha Mazuri-Kinderheim in Kenia mehr über die Landwirtschaft in den Tropen erfahren. Der Gärtner Kimeo, der zusammen mit den Kindern des Heimes die Shamba auf der anderen Seite des Flusses bewirtschaftet, erwies sich mit seiner langjährigen Erfahrung als hervorragender Lehrer. Bereits als Kind hat er zusammen mit seinem Vater das Land der Familie bewirtschaftet. Er kennt die einheimischen Kulturpflanzen und deren Bedürfnisse, kennt die verschiedenen Klimata des Landes und schaut einfach in den Himmel, um das Wetter vorherzusagen.

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Dies ist besonders vorteilhaft in den Regenmonaten. Anfang November beginnt hier die Regenzeit und innerhalb kürzester Zeit – je nach Windstärke – kann sich der strahlend blaue Himmel mit riesigen Cumulo-Nimbus-Regenwolken zuziehen. Dann regnet es hier schlagartig in wie aus Eimern und die Schlaglöcher der nicht befestigten Offroads verwandeln sich innerhalb kürzester Zeit in eine Pfützenlandschaft. In Kenia werden große Gruben ausgehoben, meist nur mit Hand und Schaufel, um das kostbare Regenwasser aufzufangen. Das gespeicherte Wasser wird für die Bewässerung der Felder genutzt, aber auch für beispielsweise die Herstellung von Tonziegeln. Allerdings kommt es auch vor, dass Fahrer ihre Motorräder oder Transportfahrzeuge in den künstlichen Seen waschen!

Der Boden in Kenia ist sehr tonhaltig, wodurch dieser während der Regenzeit sehr weich und matschig wird. Da kommt es schon regelmäßig vor, dass der Maisha Mazuri-Bus im Matsch stecken bleibt, sodass zehn Mann mit anpacken müssen. So geschah es auch an dem Tag der Hochzeit von Nora, der Sozialarbeiterin aus dem Heim. „Aufgehübscht und herausgeputzt“ wollten wir zur Trauung in die Bergstadt Matchakos aufbrechen, aber der Van kam nicht von der Stelle. Zum Glück waren genug Leute vor Ort und mit vereinten Kräften hatten wir es dann doch noch geschafft: Mit gut zwei Stunden Verspätung konnten wir unsere Fahrt antreten!

Die Ziegenhalt4 ung spielt in der Landwirtschaft der Tropen eine bedeutende Rolle. Fast jede kenianische Familie hält Ziegen, da diese die sehr trockenen Monate gut meistern und günstig in der Anschaffung und Haltung sind. Da auch ich mich besonders für die „Kuh des armen Mannes“ begeistere, war es mein Wunsch, dass die Bewohner des Kinderheims täglich mit frischer Milch versorgt werden. Während meines Aufenthalts habe ich die mittlerweile 7-köpfige Herde aus heimischen Fleischziegen mit zwei Weibchen und einem Bock der Rasse Bunte Deutsche Edelziegen sowie einem weiteren weiblichen Tier (eine Mischung aus der einheimischen Rasse und einer Deutschen Toggenburger Milchziege) aufstocken können. Zwei der Weibchen werden bereits am Morgen von den älteren Kindern des Heims gemolken und geben zusammen einen knappen Liter Milch pro Tag. Die Ziegenmilch wird direkt für das Frühstück verwendet (für den Porridge oder zur Verfeinerung des Chai Tees). Wenn der Ziegenbock seinen Job erledigt hat, sind hoffentlich bald alle drei Weibchen trächtig, bekommen Nachwuchs und geben ebenso leckere Milch!

Um mich auf dieses Projekt vorzubereiten, hatte ich bereits in Deutschland im Vorfeld im Rahmen eines 6-wöchiges Praktikums auf einem Ziegenhof einiges über Ziegenhaltung gelernt, die Ziegenhaltung in dem Klima der Tropen war jedoch eine ganz neue Erfahrung für mich. Besonders interessant waren die Ausflüge zu den unterschiedlichen Milchziegenhaltern, deren Art der Tierhaltung sich doch sehr unterschieden hat. Die Toggenburg-Mischlingsziege Galendi, was Liebling auf Kamba heißt, stammte aus der Nachbarschaft. Die Bunte Edelziege Angela kauften wir in der Hauptstadt Nairobi, unsere Ziege Lilino sowie unser Bock Songo stammen aus dem Ort Utawala, welcher ebenfalls eine gute Autostunde vom Heim entfernt ist.

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Zu meinen täglichen Aufgaben gehörte es, die Ziegen, Kaninchen und Hühner mit Wasser und Futter zu versorgen und anschließend die Ställe auszumisten. Danach half ich Kimeo auf der Shamba oder unterstützte Redemta, unsere Köchin, bei der Küchenarbeit. Da die Kinder von Ende Oktober bis Ende Dezember Schulferien haben, waren sie den ganzen Tag im Heim, Langeweile kannten sie allerdings nicht. Sie haben bei allen anfallenden Tätigkeiten mitgeholfen und selbstverständlich blieb ihnen auch noch genügend Zeit für sich und zum Spielen. Die Kleinen haben jeden Tag die Ziegen gehütet, während diese auf dem Gelände des Kinderheims gegrast haben. Durch den Regen war das Land innerhalb kürzester Zeit ergrünt und die Ziegen finden allerhand Futter.

Die älteren Kinder sind oft mit Kimeo zur großen Shamba und haben dort Unkraut gejätet, verschiedenes angepflanzt oder Mist auf den Beeten verteilt. Außerdem haben sie begonnen, Teilflächen des bereits vorhandenen sowie das neu erworbene Gelände, auf dem ein Brunnen gebaut wird, umzugraben. Es wurden Mais, Bohnen und Süßkartoffeln angebaut. Das Unkrautjäten und das Umgraben des Bodens mit der Hacke ist mühsam, die Kinder haben aber viel Spaß dabei: Gemeinsam wird gesungen, erzählt und gelacht.

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